Article du Bulletin
Jungpleistozäne Murmeltiere (Rodentia, Sciuridae) vom Mittelrhein (Deutschland) und ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zu den beiden rezenten europäischen Arten [Marmottes du pléistocène final de la région centrale du Rhin et leurs relations phylogénétiques avec deux espèces de marmottes européennes récentes] Late Pleistocene marmots (Rodentia, Sciuridae) from the Middle Rhine region (Germany) and their phylogenetic relationships to the two Recent European marmot species].
Kalthoff D.C. · 1999 · Stapfia, 63: 119-128, Linz.
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Résumé
This is a study of rich new finds of the genus Marmota from Late Pleistocene loess deposits of the Neuwied and Mainz basins. For the first time these finds represent an adequate basis to evaluate the taxonomic status of Late Pleistocene marmots outside the Alps. In the Middle Rhine Region two species could be distinguished: firstly the relatively big and well documented M. primigenia which is closely related to the Alpine Marmot, and secondly scarce finds of the Steppe Marmot M. bobak. The latter is an immigrant from the east which migrated as far west as the Mainz basin. These results show that a taxonomic separation of the two recent European species was already established in the Late Pleistocene. Consequently, this separation was not a result of an amelioration of the climate linked to a geographic partition at the end of the Pleistocene. Preliminary studies of fossil material from the Alps suppose that the todays Alpine Marmot descended from these Late Pleistocene alpine populations and not from M. primigenia from the Middle Rhine Region. With the reforestation at the end of the last glaciation period M. primigenia became extinct in its habitats north of the Alps. Kurzfassung: Reiche Neufunde von jungpleistozänen Murmeltierknochen aus dem Neuwieder und Mainzer Becken ermöglichen erstmals eine eingehende osteologische Analyse zur Klärung der artlichen Zugehörigkeit dieser groß en Erdhörnchen außerhalb des Alpenraumes. Die Ergebnisse zeigen, daß im Untersuchungsgebiet zwei unterscheidbare Murmeltierspezies vorkommen: M. primigenia als großes, gut belegtes Murmeltier, das eng mit dem rezenten Alpenmurmeltier verwandt ist, sowie wenige Nachweise einer zweiten Art, M. bobak, die von Osten eingewandert ist und bis ins Mainzer Becken vordringen konnte. Daraus folgert, daß zumindestens im Jungpleistozän zwei Murmeltierspezies nebeneinander auftreten und eine Trennung der beiden rezenten europäischen Arten zu diesem Zeitpunkt schon bestanden hat. Sie ist somit nicht eine Folge der Klimaverbesserung und der damit verbundenen geographischen Separation zum Ende der letzten Kaltzeit. Vorläufige Ergebnisse der Untersuchung von Fossilmaterial aus dem Alpenraum lassen vermuten, daß die modernen Alpenmurmeltiere auf diese eiszeitlichen alpinen Populationen zurückzuführen sind und nicht auf die mittelrheinischen M. primigenia. Im Zuge der Wiederbewaldung zum Ende des Pleistozäns sind letztere im Mittelgebirgsraum ohne Nachkommen ausgestorben.
